Zwänge

Von der Zwangsstörung sind 2 bis 3% der Bevölkerung im Laufe ihres Lebens betroffen. Damit handelt es sich um die vierthäufigste psychische Störung. Unter Zwangsstörung versteht man das Leiden unter Zwangsgedanken oder Zwangshandlungen – auch eine Kombination aus beiden ist häufig. Zwänge sind unerwünschte, wiederkehrende Gedanken, Bilder oder Impulse, die sich dem Betroffenen aufdrängen und als sehr quälend wahrgenommen werden. Da der Alltag des Betroffenen von der Störung oft stark beeinträchtigt ist, entsteht hierdurch ein enormer Leidensdruck.

Zwangsgedanken

Häufige Themen dieser Gedanken sind Sorgen darüber, ob man Gefahren ausreichend vorgebeugt hat oder ob ausreichende Vorkehrungen gegen bestimmte Erkrankungen getroffen wurden. Eine besonders belastende Variante von zwanghaften Gedanken, sind Ideen, andere Personen zu schädigen. Kernpunkte dieser Gedanken sind oft Verantwortung und Schuld.

Beispiele

  • Ein berufstätiger Mann grübelt den ganzen Arbeitstag darüber nach, ob er in der Früh den Herd abgedreht hat und ob nun das Haus in Flammen stehen könnte.
  • Eine junge Frau sorgt, ob sie sich in der U- Bahn beim Sitznachbarn mit einer schweren Erkrankung angesteckt haben könnte oder macht sich Gedanken andere angesteckt zu haben.
  • Einem sehr religiösen Menschen drängt sich immer wieder der Gedanke auf, er könnte plötzlich obszöne Dinge während des Gottesdienstes schreien.
  • Einen jungen Mann quält während und nach einer Autofahrt der Gedanke, er könnte jemanden angefahren haben, ohne es zu bemerken.

Zwangshandlungen

Zwangshandlungen sind sich wiederholende Rituale zu denen sich der Betroffene gedrängt fühlt, obwohl er sie als übertrieben oder sinnlos erkennt. Diese sollen die Befürchtungen und das Unbehagen, welches durch die Zwangsgedanken ausgelöst wurden, verringern oder neutralisieren.

  • Kontrollzwang
  • Ordnungs- und Symmetriezwang
  • Reinigungs- und Waschzwang
  • Wiederhol- und Zählzwänge
  • Sammelzwänge

Man geht davon aus, dass die Zwangsstörung ein erlerntes Verhaltensmuster ist, welches in der Vergangenheit eingeübt wurde, um eine gewisse Funktion zu erfüllen oder ein Bedürfnis zu kompensieren. Auch biologische und erbliche Komponenten können eine Rolle spielen. Durch fehlerhafte Denkmuster, Glaubenssätze und eingeübte Verhaltensweisen wird der Zwang aufrechterhalten. Die Behandlung zielt darauf ab, diese Muster zu identifizieren und zu verändern, um die Symptome der Zwangsstörung zu reduzieren.